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Von Redmine Admin vor 7 Monaten hinzugefügt

Unser Alltag mit seinen Ratings und Rankings, Wettbewerben und Casting-Shows wird von der gesellschaftlichen Praxis des Vergleichens bestimmt und zunehmend dominiert. Viele moderne Wissenschaften verdanken ihre Entstehung und Professionalisierung einer explizit vergleichenden Methode, die dadurch stets einen besonderen Objektivitätsgewinn beansprucht hat. Vergleiche sind omnipräsent, die mit ihnen verbundenen Operationen scheinbar anthropologisch fundiert. Über die Geschichte, die gesellschaftlichen und kulturellen Ursachen, über die Funktionen und Wirkungen des Vergleichens ist bislang jedoch kaum etwas bekannt, trotz häufiger Mutmaßungen über die Zunahme von Vergleichen in bestimmten Epochen und in modernen Gesellschaften.

Der SFB „Praktiken des Vergleichens“ erkundet daher ein neues Forschungsparadigma, indem er den Akzent von einer scheinbar invarianten Operation – dem Vergleich – auf die Geschichte und die Kultur einer Praxis – des Vergleichens – verschiebt: Was tun Akteure, wenn sie vergleichen?

Im Sinne aktueller praxistheoretischer Ansätze fragt der interdisziplinäre, aus Geschichts- und Literaturwissenschaft, Philosophie, Kunstgeschichte, Politik- und Rechtswissenschaft bestehende Forschungsverbund, wie sich die historisch variablen Praktiken des Vergleichens zu Routinen, Regeln, Habitus, Institutionen und Diskursen fügen und so Strukturen schaffen, aber auch Dynamiken mittlerer Reichweite oder übergreifenden Wandel anstoßen können. Vergleichspraktiken – so unsere These – unterliegen einem geschichtlichen Wandel, sie tragen aber zugleich in bisher unterschätzter Weise zu historischem Wandel bei.

Das langfristige Forschungsziel des Verbundprojektes ist es, die Praktiken des Vergleichens, die Modi der Vergleichshindernisse sowie die ordnende und verändernde Kraft des Vergleichens in historischer und systematischer Absicht aus transdisziplinärer Perspektive präzise beschreibbar zu machen und ihren Stellenwert innerhalb einer kontingenzsensiblen Theorie des historischen Wandels zu bestimmen. In einer ersten Förderphase operationalisieren wir die übergreifende Frage nach dem historischen Wandel, indem wir uns auf diejenigen Praktiken des Vergleichens konzentrieren, die unter Rückgriff auf antike Traditionen in einem global verflochtenen Europa und in den Amerikas entstanden sind. Sie haben, so die These, grundlegend daran mitgewirkt, die Epoche vom 16. bis zum 20. Jahrhundert als ‚westlich‘ modellierte Moderne hervorzubringen.

Indem der SFB in den nächsten zwölf Jahren eine solch grundlegende Praxis der Ordnung und Dynamik von modernen und vermeintlich nicht modernen, von europäischen und außereuropäischen Gesellschaften untersucht, möchte er eine neue, im Kontext aktueller Geschichts- und Kulturtheorien entwickelte Art und Weise des Nachdenkens über Geschichte, Gesellschaften und historischen Wandel anstoßen.

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